Brief ins Jenseits: Ich werde dich finden

Lieber Schatz, das Jahr nähert sich nun dem Ende zu und rückblickend fühlt es sich wieder sehr schnell an. Nur dieses Mal ist es gut so, denn es war ein schwieriges Jahr – ein Schicksalsjahr. Für mich fühlte es sich wie der Beginn eines offenen Schlagabtausches zwischen der Liebe und der Angst an. Noch nie habe ich die Welt so stark gespalten gesehen. Damit meine ich nicht die territorialen oder politischen Streitigkeiten, die gabst schon immer und damals waren sind bei weitem schlimmer. Der „wahre“ Krieg spielt sich nun in den Köpfen der Menschen ab. Der innere Konflikt wie wir die Welt in Zukunft sehen wollen – mit Angst oder mit Liebe.

 

Wie du siehst Schatz, verpasst du eine wirkliche spannende Zeit. Deshalb auch schreibe ich darüber und habe zu Jahresbeginn mit dem Bloggen angefangen. Du hattest im Lebzeiten sehr gerne in Foren und Blogs das Leben anderer Menschen verfolgt, um zu lesen wie sie gehandelt haben. Du warst immer sehr wissbegierig und hast aus den Fehlern der Anderen gelernt. Ehrlich gesagt, ein ziemlich schlauer und bei weitem weniger schmerzhafter Weg Erfahrung zu sammeln (wobei ich mich frage, ob das auch gilt). Ich wünsche es mir, dass ich dir diese Art der Trauer teilen kann und du sie so nicht auch noch in einem weiteren Leben erleben muss. Ich weiß es nicht, aber irgendwas sagt mir, dass wenn ich meine spirituellen Erfahrungen hier niederschreibe, du daraus schöpfen kannst. Auch solltest du meine Gedanken lesen können, was ich nicht glaube, so weiß ich, dass durch das Schreiben ich meine Gedankenfetzen in Kontext setzen kann.  So sind sie hoffentlich verständlicher für dich, für die anderen Lesern und für mich in Zukunft.

 

Auch wenn ich mich positiv anhöre, so glaube mir Schatz, jeder Tag ist ein Balanceakt. Ein falscher Schritt und ich falle in eine tiefe Hoffnungslosigkeit. Der Grund ist, ich vermisse dich einfach zu sehr und bin verrückt nach dir, so verrückt, dass ich versuche, dich von dieser Seite der Welt zu erreichen. Nur weil ich weiß, dass du noch existierst und irgendwo im Universum herumschwebst, lindert es nicht den Schmerz. Ich möchte nicht bis zum Lebensende warten, um dich zu sehen. Das Leben kann furchtbar lang sein, wenn man leidet.

 

Ich habe viel gelernt in diesem Jahr. Ich sehe die Wunder, weil ich jetzt mit offenen Augen durch die Welt gehe. Ich werde jetzt das Tor sehen können, das mich zu dir führen wird. Ich werde dich finden.

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