Den Emotionen hilflos ausgeliefert sein

Ich verstehe die ganze Welt besser als mich selbst. Diesen Eindruck habe ich, wenn es um meine Emotionen geht. Natürlich ist es einfacher Ratschläge zu geben, als selbst in einer emotionalen Situation verstrickt zu sein. Trotz jahrelanger Meditation und mehr Achtsamkeit, ist es nicht einfach. Im Gegenteil, gewissermaßen ist es schlimmer geworden. Früher war ich einfach nur wütend, verletzt oder traurig. Jetzt bin ich wütend, verletzt oder traurig und bin zugleich verärgert darüber, dass ich es bin.

 

In der spirituellen Lehre wird das Emotionen-Problem dadurch gelöst, indem man sich seiner Emotion annimmt. Das heißt, sie achtsam zu beobachten, ohne sie zu werten. Das funktioniert auch ziemlich gut bei den negativen Emotionen. Das Schwierige ist jedoch nicht zu werten – leider macht man es manchmal trotzdem. Das Ego gibt dem ganzen mehr Bedeutung als es in Wirklichkeit hat. Es schafft quasi einen emotionalen Hype, bei positiven Emotionen mag das ja auch schön sein.

 

Wenn dadurch aber negative oder unliebsame Emotionen ausser Kontrolle geraten, fühlt man sich schnell hilflos. Man hasst sich wiederum dafür, dass man sich so fühlt und versteht nicht woher das kommt. Schlimmer noch wird es, wenn die Emotion einem dazu drängt, Dinge zu tun, die einem selbst oder anderen schaden. Dinge zu denken und zu tun, die man nicht will. Gelangt man an diesen Punkt, dann hat das Ego inzwischen die volle Kontrolle und dann läuft das „Psycho-Programm“ ab. Das heißt, dann kommen die Konditionierungen zum Vorschein, die in der Kindheit oder Vergangenheit geprägt worden sind. Man handelt die Situation genauso ab, wie man es immer zu tun pflegt. Das ganze endet meistens genauso wie immer – schlecht. Lesson not learned.

 

In so einer Phase befinde ich mich gerade und es ist so ungemein schwierig nicht über sich selbst zu urteilen: „Du bist doch spirituelle, du muss doch drüber stehen“, sagt mein Ego. Daraufhin antwortet mein spirituelles Ich: „Alles gut liebes Ego, ich finde dich toll so wie du bist“. Etwas überspitzt, aber so ungefähr läuft mein innerer Dialog ab.

 

Hauptsache ich bin mir das erst mal bewusst und ich hoffe sehr am Ende bleibt noch was übrig, was ich nicht bereits kaputt gemacht habe. Ich werde jetzt einfach mehr meditieren und meine Seele mit Eis beim schönen Sonnenschein verwöhnen.

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