In ewiger Trauer? – Nur solange ich lebe.

Bald jährt sich der 3. Jahrestag von Lilias Tod. Tod, das Wort klingt so final, so absolut. So wurde es mir zumindest beigebracht und das ist der Grund, wieso wir trauern. Aber eben wie mit vielen Dingen, die wir lernen, schaut die Wahrheit doch ein wenig anders aus. Dennoch ist es zu spät, ich trauere und zwar bis zum Ende meines Lebens. Das klingt etwas harsch und je nachdem, wie man trauert, kann es sehr qualvoll sein oder eben auch friedvoll.

 

Jeder Mensch trauert anders, abhängig von Glauben, Vorstellungen und Weltbild. Aus spiritueller Sicht trauern wir nicht nur, wenn ein Mensch von uns geht, sondern auch wenn wir aus unterschiedlichen Lebenssituationen treten – zum Beispiel, wenn wir Abschied nehmen, den Job verlieren oder eine Beziehung zu Ende geht. Also immer, wenn eine Lebenssituation sich ändert, an die wir uns gewöhnt haben oder als schön empfinden. Doch leider ist eben alles Weltliche vergänglich. Im Buddhismus wird daher die Anhaftung als die Quelle allen Leidens gesehen und daher gehört das Loslassen zur festen Lehre.

 

Was mich bei der spirituellen Lehre manchmal jedoch stört, ist die ziemlich nüchterne Betrachtung vom Verlust eines Partners. Es entzieht sich jeglicher Romantik. Wenn ich einen buddhistischen Lehrer fragen würde, ob ich sie im Himmel wiedersehen werde und sie mich lieben wird, dann würde die Antwort lauten: Ja, sie wird dich sehr lieben genauso sehr wie alle anderen auch. Yay… ich bin nur einer von vielen.

 

Zurück zum Begriff „Loslassen“. Das Loslassen wird oftmals falsch verstanden. Loslassen heißt nicht aufgeben oder vergessen. Ich werde Lilia nie loslassen, kann ich auch gar nicht und zudem ist es nicht nötig. Loslassen im spirituellen Sinne bedeutet, sich vom Glauben und von Vorstellungen zu lösen, die man mit dem Verlust verbindet. Es bleibt schmerzhaft, wenn ich glaube, dass…

  •  mit dem Tod alles endet
  • es keine Seele gibt
  • es nichts Schöneres gibt auf der Welt
  • ich einen Partner brauche, um glücklich zu sein
  • es keinen Sinn macht zu leben ohne sie
  • es nur eine große Liebe gibt
  • ich sie nie wiedersehen werde
  • usw.

Die Liste ist lang und entsprechend lang wird auch der Prozess sein, sich von diesen Glaubenssätzen zu lösen. Natürlich kann man zynisch sein und behaupten, man kann sich die Wirklichkeit schön reden. Doch was genau ist die Wirklichkeit? Es geht hierbei eher darum, die Situation zu hinterfragen und zu versuchen, es aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

 

Mir hat es sehr geholfen den Verlust von einer anderen Perspektive zu sehen und mich von meinen alten Vorstellungen zu lösen. Das heißt aber auch nicht, dass ich alles glaube, was mir vorgesetzt wird. Ich will nicht glauben, ich will wissen. Meine Trauerarbeit ist quasi ein Prozess des „Un-Lernens“ oder auch der Endkonditionierung.

 

Mit dem Thema Trauer beschäftigt sich auch meine gute Freundin Silke. Auch sie ist in derselben Situation und wir unterstützen uns gegenseitig. Wofür ich ihr sehr dankbar bin. Vor kurzem hat sie auch ihren Blog „In lauter Trauer“ zu dem Thema Trauer gestartet, den ich gerne empfehlen möchte.

 

Wie auch immer, dafür, dass ich eine der schwierigsten Lebens-Challenges am Hals habe, denke ich, mach ich das schon ziemlich gut (sich selbst auf die Schulter klopft). Ich hoffe nur, dass es auch die Letzte sein wird. Mir reicht es erst Mal – zumindest für dieses Leben.

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