Was würde der Dalai Lama tun?

Der Dalai Lama ist für mich nicht nur ein großartiger Lehrer, sondern auch ein Vorbild. Ich mag seine direkte und offene Art seinen Mitmenschen gegenüber. Das, was mich aber besonders an ihm begeistert, sind sein sehr ehrlicher Humor und sein Pragmatismus. Besonders letztere Eigenschaft macht ihn zu einem starken, geistlichen Oberhaupt. Seit er aus seiner Heimat Tibet vertrieben worden ist, lebt er quasi im Exil in Dharamsala in Nordindien. Dort war ich auch auf meiner Indienreise 2013. Es ist möglich sein Anwesen zu besuchen, jedoch ist es strengstens untersagt Aufnahmen zu machen. Das Kloster ist für ein tibetisches Oberhaupt doch ziemlich bescheiden, nicht vergleichbar mit den buddhistischen Klöstern in Thailand. Leider war er während meines Aufenthalts auf Reisen, allerdings wäre es, auch wenn er dagewesen wäre, nur mit vorheriger Anmeldung möglich gewesen, ihn zu sehen.

 

Der Dalai Lama war so gesehen mein erster spiritueller Lehrer, besonders seine Bücher haben mir sehr gefallen und mir den Zugang zum Buddhismus erleichtert. Ich kann sein Werk „Das Buch der Menschlichkeit“ sehr empfehlen, in dem er recht verständlich den Weg zu einem glücklichen Leben erklärt, ohne zu sehr auf die Religion einzugehen. Hier kommt wieder seine sehr pragmatische Sicht auf die Dinge zu Tage. Die Message lautet: Wer glücklich sein möchte, sollte vermeiden jemandem zu schaden. Also sehr trivial, oder?

 

Natürlich liegt wie immer der Teufel im Detail und so kommen wir zur Titelfrage zurück – „Was würde der Dalai Lama tun?“. Die Welt lässt sich nicht einfach in schwarz und weiß trennen. Alles ist relativ, sagte Einstein einst, Buddha lehrte uns, dass alle Phänomene voneinander bedingt sind und aus spiritueller Sicht ist alles eins. Mit diesem Wissen bzw. Nicht-Wissen über unsere Umwelt, weil sie eben so komplex ist, wem fällt es da nicht schwer, wichtige Entscheidungen zu treffen?

 

Hinzu kommen noch unsere eigenen moralischen Vorstellungen und – was die Sache noch mehr erschwert -, dass man sich Gedanken darüber macht, was die Mitmenschen von einem denken. Genau hier mag ich den „Dalai Lamischen“ Pragmatismus. Das wichtigste Kriterium ist, dass mit der Entscheidung niemand Schaden nimmt. Natürlich gibt es auch Entscheidungen, wo womöglich jeder Schaden davonträgt, aber da wägt der Dalai Lama ab und hält sich nicht an Dogmen oder Traditionen fest. Das hat er neuerlich bewiesen, als er ankündigte, er würde sogar die Wiedergeburt abschaffen wollen, nur damit die chinesische Regierung nicht den nächsten Dalai Lama ernennen kann. Dabei ist die Lehre von Reinkarnation ein festes Fundament in der buddhistischen Lehre. Die Abschaffung der Reinkarnation wäre fast gleichzusetzen mit der Abschaffung der 10 Gebote im Christentum.

 

Der Dalai Lama hat mich alleine durch seine ehrliche Art und seine logischen Überlegungen vom Buddhismus überzeugt, ohne überhaupt vom Buddhismus zu sprechen. Mitgefühl und die Erkenntnis, dass jeder nur nach seinem Glück strebt, bilden das Fundament für eine gute Entscheidung.

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