Wenn der geliebte Mensch nicht mehr da ist

Mir ist aufgefallen, dass seit Anfang des Jahres viele prominente Menschen gestorben sind. Ich glaube, es vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Todesmeldung folgt. Natürlicherweise sterben jede Sekunde Menschen auf der Welt, nur nehmen wir den Tod erst wirklich wahr, wenn wir die Person persönlich kennen. Und auch da fühlen wir uns mehr oder weniger betroffen, je nachdem wie nah wir der Person sind. Meine Erfahrung als jemand, der einen geliebten Menschen verloren hat, ist, dass die meisten Menschen dieses Thema gerne meiden und sich auch unwohl fühlen, wenn es doch zur Sprache kommt. Eigenartigerweise schließt es auch Menschen ein, die auch jemanden verloren haben. Es ist irgendwie perplex, der Tod ist allgegenwärtig präsent in unserem Alltag. In jeden Film wird gestorben und auch die Nachrichten sind voll davon, aber keiner spricht darüber. Es wird total verdrängt, vielleicht auch um sich die eigene Sterblichkeit nicht bewusst zu machen?

 

Mal ehrlich, ist ja auch kein Vorwurf, ich war auch nicht viel anders. Es gab für mich wichtigere Themen, als mich mit dem Tod zu befassen. Zum Beispiel, wie ich noch erfolgreicher, produktiver sein kann und wo ich meinen nächsten Urlaub verbringen möchte. Außerdem sind da noch die ganzen Probleme, die ich noch lösen musste.

Wie sagt man auch: das Leben ist für die Lebenden und wenn ich schon hier bin, dann versuche ich in vollen Zügen zu leben. Da wird wohl keiner wiedersprechen, die Wirklichkeit sieht jedoch bei weitem anders aus. Der Grund ist, dass wir die meiste Zeit mit den Gedanken in der Zukunft sind und erst glauben, glücklich zu sein, wenn wir das Ziel erreichen. Nur sobald wir das Ziel erreicht haben, wartet dummerweise schon die nächste Karotte auf uns, der wir nachjagen können.

So rushen wir durchs Leben und nehmen weder Mensch und Umwelt wirklich wahr – wir sind unachtsam. Plötzlich eines Tages ist der geliebte Mensch für immer weg und dann kommt erst das „Erwachen“. Das ist meine persönliche Lektion und seither versuche ich, achtsam zu sein, auch wenn es mir immer noch sehr schwer fällt.

Aber jetzt in diesen Augenblick bin ich achtsam und kann sagen: „Ich bin sehr „DANG“bar für die liebe verrückte Familie und großartigen Freunden, die ich habe. Ich schätze und achte sie sehr.“

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