Wie viel bin ich wert?

„Wie viel bin ich wert?“ – so ungewöhnlich es ist, aber mit dieser Frage werden wir alltäglich konfrontiert und zwar in fast jeder Lebenssituation. Sei es, ob wir uns auf der Arbeit nach Anerkennung sehnen, auf einer Feier Aufmerksamkeit haben möchten oder wir uns fragen, ob eine wichtige Person sich meldet – nur um einige Beispiele zu nennen. Um auf den Punkt zu kommen, wir sehnen uns alle nach Liebe. Was wie ein abgedroschener Spruch klingt, ist Teil der spirituellen Lehre. Dort heißt es, im Grunde sind wir das ganze Leben damit beschäftigt nach Liebe zu streben bzw. zu lernen uns selbst zu lieben.

 

Ein spiritueller Lehrer würde so etwas sagen wie „Wieso suchst du die Liebe, wenn du sie doch bereits besitzt?“ oder „Was suchst du da draußen nach Liebe, wenn du sie in dir trägst?“. Ich hab diese Fragen nicht verstanden, weil ich versucht habe es konzeptionell zu begreifen. Das Konzeptionelle und die Ratio jedoch unterliegen dem Ego und das macht spirituelle Antworten so schwierig zu verstehen.

 

Wie kommt es nun, dass wir nach dieser Liebe streben, obwohl wir sie doch wohl in uns tragen?

Weil wir von Beginn an so erzogen werden. Wie ich bereits beispielhaft erklärt hatte, kann das Ego die Liebe nicht begreifen und muss es quantifizieren bzw. in die „eigene Sprache“ interpretieren. Das drückt sich bei der Erziehung wie folgt aus:

 

  • Sei ein gutes Kind, dann bekommst du ein Geschenk
  •  Wenn du erfolgreich bist, dann bin ich stolz auf dich
  •  Wenn du böse bist, dann lass dich nicht blicken
  •  Ich beachte dich, wenn du tust was ich will
  •  Du bist ein Junge/Mädchen: verhalte dich so, wie ich es mir vorstelle

etc…

Eltern lieben ihre Kinder bedingungslos, aber erziehen sie meistens bedingungsvoll. Wir lernen schnell, dass wir die Aufmerksamkeit unserer Eltern nur durch Erfüllung ihrer Erwartungen erhalten. Je mehr Erwartungen wir erfüllen müssen, sie aber nicht erfüllen können oder wollen, desto mehr verlieren wir unseren Selbstwert. Wir erhalten von der einzigen Quelle, die wir kennen keine Liebe mehr, denn wir haben als Kinder gelernt, dass wir Liebe nur von Außerhalb – von den Eltern bekommen. In der Regel wird Kindern aber nicht beigebracht, die Liebe für sich selbst zu kultivieren.

 

Hinzu kommt, dass sich selbst zu loben und anzuerkennen, kulturell bedingt nicht gerne gesehen wird. Der Begriff Selbstliebe wird direkt mit Narzissmus gleichgesetzt. Das macht es auch nicht gerade einfacher sich selbst zu lieben. Die Erklärung mag negativ und vorwurfsvoll klingen, ist aber sicher nicht so gemeint. Das Ganze hat schon seinen guten Sinn. Ohne diese Ego-Erziehung würden wir uns wahrscheinlich in dieser aktuellen Welt nicht zurechtfinden.

 

Leider leiden wir bis ins erwachsene Alter an diese Konditionierung und glauben immer nicht genug wert zu sein – sei es für eine Aufgabe, einen Job oder einen Partner. Erst wenn wir schöner, schlauer, und reicher werden und die Erwartungen anderer erfüllen können, erst dann sind wir wertig genug, Liebe zu erhalten. Und wenn es uns an Liebe mangelt, dann nimmt die Angst ihren Platz ein. Im Grunde lassen sich alle Probleme dieser Welt darauf zurückführen, dass wir uns nicht wertig genug fühlen.

 

„Wie viel bin ich also Wert?“ Die Antwort ist einfach – Du bist großartig und in dir steckt genug Liebe, um die ganze Welt zu verändern.

 

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