Wovor hast du Angst?

Wir alle empfinden Angst und das ist ganz natürlich.  Aus evolutionstechnischen Gründen war die Angst bisher immer eine gute Hilfe, um zu überleben. Je weiter wir uns aber technologisch und gesellschaftlich entwickeln, desto weniger brauchen wir die Angst.

Die Angst hat uns geholfen in gefährlichen Situationen vorsichtig und schnell zu agieren. Sie entspringt eher eines physischen Konzeptes der Natur, mit dem Ziel den menschlichen Körper vor konkreten Gefahren zu schützen. Was in einem sehr physischen Umfeld – wie in der Wildnis – Sinn macht, benötigen wir in der Moderne nicht mehr. Wir müssen im „normalen“ Alltag nicht um unser Leben fürchten.

 

Das „Problem“ von uns Menschen aber ist, dass sie dem aus der Natur entsprungenen Sicherheitssystem konsequent auf ihr Gesellschaftssystem anwendet. Ein Gesellschaftssystem jedoch hat eher einen sozialen Aspekt, es geht nicht nur um den Schutz des menschlichen Körpers, sondern spiegelt eher das Zusammenleben und die Wertevorstellungen von Menschen wieder. Die Folge dessen ist, dass wir in einem angstbasierten System leben.

 

Die Angst findet sich daher in nahezu allen Aspekten unseres Alltags wieder. Wir werden zwar angstfrei geboren, sie wird uns jedoch anerzogen. Mit dem Ziel, dass aus uns attraktive Arbeiter für Unternehmen werden, da sie uns unser „Überleben“ durch Geldgegenleistung sichert. Was an sich ja ok ist, wenn es uns nur eben nicht als einzige Option suggeriert wird. Die wenigsten Eltern würden ihren Kindern raten, Künstler zu werden und stattdessen einen „sicheren“ Job empfehlen.

 

Genau dieser Glaube aber führt zu weiteren Ängsten, wie die Angst vorm Versagen, die Angst nicht anerkannt zu werden und die Angst vor Enttäuschungen. Besonders wenn es sich nicht mit unseren eigenen Vorstellungen und Zielen deckt. Mit weiterem Alter eignen wir uns weitere Glaubenssätze an, die uns allen Frieden, Glück und Liebe versprechen. Nur wird dieses Versprechen niemals wirklich erreicht, weil sie materieller Natur sind und damit vergänglich. Wohlstand, Gesundheit oder Beziehung – alles wird uns kein dauerhaftes Glück geben, weil wir sie früher oder später verlieren.

 

Das tragische an allem ist, dass wir vom Anfang unseres Lebens an bereits Frieden, Glück und Liebe in uns tragen – davon unendlich viel und unvergänglich.

 

Dass ein auf Angst basierendes Gesellschaftssystem nicht funktioniert, merken wir im unserer aktuellen Weltsituation. Es produziert verängstigte Menschen, die sich von noch extremeren angstbasierten Glaubenssystemen fangen lassen. In Zukunft wird es immer weniger von diesen „sicheren“ Jobs aufgrund der Automation geben. Das heißt, wenn wir an diese Jobs als einzige beste Option festhalten, dann werden wir viele ängstliche Menschen haben.

 

Leider führt es in keine gute Richtung, wenn wir verängstigte Menschen noch mehr stigmatisieren und sie Verlierer oder schlechten Menschen nennen. Damit befeuern wir nur die Angst nicht akzeptiert zu werden und drängen sie weiter von uns weg. Wenn unser Glaubenssystem auf Angst basiert, werden wir Menschen immer in richtig oder falsch einteilen, abhängig eben davon was in uns Angst hervorruft.

 

Angst ist eine Illusion. Schaue genau hin und du wirst es erkennen. Stelle dich deiner Angst.

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